Rund 900 Meinungsäußerungen zählten die Projektpartner während des Bürgerdialogs zum Ausbau der Erftbahn (RB 38) zur S-Bahn im vergangenen Sommer. Die vielfältigen Wünsche wurden im Anschluss an den Dialog von Planungsexperten gesichtet, die unterschiedlichen Interessen gegeneinander abgewogen und die technische und finanzielle Machbarkeit geprüft. Nun liegen die Antworten der Planer auf die meisten Anregungen der Bürgerinnen und Bürger vor. Ein Überblick.

Rund neun Monate ist es her, dass die Öffentlichkeit die Gelegenheit hatte, den Ausbau der Erftbahn (RB 38) zu kommentieren und Anregungen einzubringen. Viele Bürgerinnen und Bürger nutzten die Chance: Rund 340 Besucher kamen zu den beiden Infomessen in Bergheim und Bedburg. Zusammen mit dem Online-Dialog gab es rund 900 Meinungsäußerungen von Bürgerinnen und Bürgern. Zu den meistdiskutierten Themen zählten die Verkehrssituation rund um die Bahnübergänge, die Lärmbelästigung durch Signaltöne von Zügen und an Bahnübergängen sowie die Lage der Stationen und Bahnsteige. Detaillierte Informationen zu den Bürgerwünschen und ihrer Umsetzung gibt es hier.

Mittlerweile liegen die Antworten der Planer zu den meisten Anregungen der Bürgerinnen und Bürger vor. Die Planung des Ausbauprojekts wird – wo dies möglich ist – entsprechend angepasst. Dieser neue Planungsstand, der die Bürgerwünsche berücksichtigt, wird „Vorzugsvariante“ genannt. Die Vorzugsvariante ist allerdings kein unveränderlicher Planungsstand, sondern eine Momentaufnahme, die laufend ergänzt und verfeinert wird, zum Beispiel mit den Ergebnissen von Studien und Detailuntersuchungen, die derzeit noch nicht abgeschlossen sind. Dazu zählt zum Beispiel ein umfangreiches Verkehrsgutachten für Bergheim.

Die Bürger brachten auch zahlreiche Themen auf den Tisch, die nicht in den Verantwortungsbereich des Streckenausbauprojekts von Deutscher Bahn (DB) und Nahverkehrs Rheinland (NVR) fallen. Dazu zählen P+R-Parkplätze an den Stationen, die in kommunaler Verantwortung liegen. Allerdings stehen die Projektpartner DB und NVR in engem Austausch mit den Kommunen, um die Parkplatzsituation, wo nötig, weiter zu verbessern und die Wege zwischen der jeweiligen Station und möglichen Parkplätzen nutzerfreundlich zu gestalten.

Glesch: kurze Wege zu neuen Parkplätzen und zum Bus

Für den Haltepunkt Glesch haben DB, NVR und die Stadt Bergheim bereits eine Lösung gefunden und den vielfach genannten Wunsch nach mehr Parkplätzen berücksichtigt. Die Planung sieht nun vor, dass nur ein neuer Bahnsteig an der Position des derzeit südlich gelegenen Bahnsteiges gebaut wird. Die Stadt Bergheim plant in direkter Nähe des zukünftigen Bahnsteiges die P+R-Kapazitäten zu erweitern und eine Bushaltestelle zu errichten. Das macht die Wege vom Auto und vom Bus zur S-Bahn so kurz wie möglich.

Kein Pfeifen und Tuten mehr entlang der Strecke

Viele Bürger kritisierten die derzeitige Lärmbelästigung durch Warnsignale der Züge an ungesicherten Bahnübergängen und die Signaltöne der Sicherungstechnik an Bahnübergängen. Der aktuelle Stand der Planung sieht daher vor, die Bahnübergänge entlang der gesamten Strecke von Horrem bis Bedburg so zu gestalten, dass die Züge keine Warnsignale mehr abgeben müssen: Einige Bahnübergänge werden geschlossen (zum Beispiel am Martinswerk in Bergheim), andere werden technisch gesichert, zum Beispiel durch Schranken. Die Planer haben dabei auch den Bürgerwunsch berücksichtigt, auf akustische Schließsignale an allen Bahnübergängen der Erftbahn zu verzichten. Eine Änderung der Bahnübergänge ist auch erforderlich, um die Höchstgeschwindigkeit von derzeit 60 km/h auf 100 km/h zu erhöhen.

Bedburg: durchgehende Züge Richtung Düsseldorf werden mitgedacht

Für den Bahnhof Bedburg legten die Planer den Bürgern zwei Varianten zur Gestaltung der Bahnsteige vor. Beide Varianten hatten das Ziel, den Umstieg zwischen der Erftbahn Köln – Horrem – Bedburg und der RB 39 Düsseldorf – Neuss – Bedburg zu vereinfachen. Derzeit müssen die Fahrgäste den Bahnsteig noch über Treppen und eine längere Unterführung wechseln. In der Bürgerbeteiligung zeigte sich keine eindeutige Präferenz für eine der Varianten: Beide hatten ähnlich viele Befürworter wie Gegner.

Unabhängig von der Bahnsteiggestaltung äußerten viele Bürger den Wunsch, die Erftbahn nicht mehr in Bedburg enden zu lassen, sondern wieder durchgehende Züge zwischen Köln und Düsseldorf über Bedburg anzubieten. Diese Option hat wegen der Strukturmittel für das Rheinische Revier im Rahmen des Kohleausstiegs jüngst Auftrieb erhalten. Dadurch stehen möglicherweise auch Mittel für den Ausbau und die Elektrifizierung der Strecke Richtung Düsseldorf zur Verfügung. Vor diesem Hintergrund haben sich die Planer in Übereinstimmung mit der Stadt Bedburg für die Variante 1 entschieden. Sie sieht eine Verlängerung der beiden bestehenden Bahnsteige vor, sodass die RB 39 und die S-Bahn auf dem gleichen Gleis hintereinanderstehen können. Im Unterschied zur Bahnsteigvariante 2 wäre eine mögliche Durchbindung der S-Bahn Richtung Düsseldorf so vergleichsweise einfach umsetzbar.

Zieverich: Lage des Haltepunkts noch offen

Zwei Alternativen standen beim Haltepunkt Zieverich zur Diskussion: der Neubau eines Bahnsteigs südlich der Gleise in unmittelbarer Nähe zum heutigen Haltepunkt und der Neubau eines deutlich weiter östlich gelegenen Bahnsteigs in der Nähe der vorhandenen Personenunterführung an Kreishaus und Schulzentrum. Das Für und Wider beider Lagevarianten wurde von den Bürgerinnen und Bürgern lebhaft diskutiert. Aber es ergab sich kein eindeutiges Stimmungsbild für eine der vorgeschlagenen Lösungen.

Auch die Planer haben noch keine abschließende Präferenz. Im Rahmen eines Gutachtens wird die Verkehrssituation im Zentrum von Bergheim untersucht. Eine Simulation soll unter anderem die Frage klären, wie sich durch eine Änderung der Schrankenschließzeiten an den Bahnübergängen Aachener Straße, Lechenicher Straße und Chaunyring die Verkehrssituation ändern würde. Auf Basis dieser Ergebnisse wird die Verkehrsplanung für Bergheim weiterentwickelt. Darauf aufbauend werden die Planungspartner dann auch einen Vorschlag zur Lage des Haltepunktes Zieverich zur abschließenden Festlegung in den Entscheidungsgremien ausarbeiten. Die Erstellung des Gutachtens wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen, verzögert aber nicht die weiteren Planungen für den S-Bahn-Ausbau.

Verworfen hat das Projektteam dagegen nach eingehender Untersuchung einen weiteren Alternativvorschlag: Mehrere Bürger brachten eine Verlegung des Haltepunkts nach Norden ins Spiel, wo es ausreichend Platz für Parkplätze gebe. Nach Prüfung durch das Projektteam würde sich dadurch allerdings der Erschließungseffekt für einen Großteil der Bevölkerung in Zieverich verschlechtern und der Weg zwischen Kreishaus und Haltepunkt wäre deutlich länger. Auch aus bahntechnischer Sicht gestaltet sich diese Option schwierig, da sich hier bauliche Überschneidungen mit der Ausweichstelle ergäben und Konflikte mit dem Bahnübergang bestünden.

Horrem: Kürzerer Weg zwischen den Bahnsteigen wird geprüft

Der Hauptkritikpunkt der Bürger an den Planungen in Horrem waren die langen Wege beim Umstieg zwischen der Erftbahn und der Hauptlinie Köln – Aachen sowie den Bussen am Bahnhofsvorplatz. Die Bürger regten an, die Laufwege zwischen dem Kurvenbahnsteig der Erftbahn und den anderen Bahnsteigen zu verkürzen. Das Projektteam hat diese Idee aufgegriffen und prüft in Abstimmung mit der Stadt Kerpen, inwieweit eine Brückenverbindung oder eine Unterführung zwischen den Bahnsteigen – unabhängig vom Projekt S-Bahn-Ausbau – machbar ist.

Lärmschutzmaßnahmen: Grundlagen werden noch erarbeitet

Noch zu früh ist es für detaillierte Informationen zum Lärmschutz entlang der Strecke, für den sich viele Bürger interessieren. Dazu können in der derzeitigen Planungsphase noch keine verbindlichen Aussagen getroffen werden. Sobald es hier neue Erkenntnisse gibt, werden die Projektpartner die Bürger informieren.

Nach Klärung der letzten Grundsatzentscheidungen zur Vorzugsvariante, zum Beispiel über die Lage des Haltepunkts Zieverich, ist die Vorplanung abgeschlossen. Als nächster Schritt folgt die Entwurfs- und Genehmigungsplanung, in der die Planungsunterlagen detailliert ausgearbeitet werden. Auf dieser Grundlage prüft das Eisenbahnbundesamt dann im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens das Ausbauprojekt intensiv. In diesem Rahmen findet auch eine formelle Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie weiterer Träger öffentlicher Belange statt. Erst danach besteht Baurecht.