Die S-Bahn Köln ist Teil des Projektes „Ausbau Bahnknoten Köln“. Was im Bahnknoten geplant ist und welche Herausforderungen es zu lösen gilt, erläutert Hendrik Wüst, Verkehrsminister des Landes NRW im Interview.

Der Bahnknoten Köln ist einer der zentralen, bundesweiten Dreh- und Angelpunkte für den Schienenverkehr. Ob Regional-, Fern- oder Güterverkehr, hunderte Züge sind jeden Tag auf den Schienen im Großraum Köln unterwegs. Der Bahnknoten hat die Belastungsgrenze erreicht. Um einer der größten Engpässe im nationalen und international Eisenbahnbahnnetz aufzulösen, bedarf es eines schlüssigen Gesamtkonzeptes aus Infrastrukturmaßnahmen und optimierten Betriebsabläufen.
Mit dem Projekt „Ausbau Bahnknoten Köln“ wird der gesamte Bahnknoten Köln in den Blick genommen. Für die 15 Einzelmaßnahmen werden 3,7 Milliarden Euro investiert. Der Ausbau der S-Bahn ist zentraler Bestandteil des Gesamtkonzeptes.

Anfang des Jahres wurden bei der 3. Bahnknoten-Konferenz die nächsten Planungsvereinbarungen für den „Ausbau Bahnknoten Köln“ unterschrieben. Land NRW und NVR investieren 100 Millionen Euro allein in die Planungen. Warum ist der Ausbau des Knoten Köln so wichtig?

Im Schienenverkehr gibt’s einen ähnlich hohen Investitionsstau wie bei unseren Straßen, Brücken und Kanälen. Besonders Engpässe an neuralgischen Punkten wie dem Bahnknoten Köln werden zum Problem. Der Kölner Hauptbahnhof ist mit mehr als 100 Millionen Fahrgästen und rund 440.000 Zügen pro Jahr einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte in NRW – und darüber hinaus. Und die Metropolregion wächst und wächst. Wir brauchen hier eine gut ausgebaute und leistungsfähige Schienen-Infrastruktur, um einen reibungslosen Personen- und Güterverkehr zu gewährleisten. Darum bin ich sehr froh, dass das Bundesverkehrsministerium mit dem Bundesverkehrswegeplan (BVWP, d. Red.) jetzt verstärkt in NRW investiert. Und darum investiert das Land gemeinsam mit dem Nahverkehr Rheinland rund 100 Millionen Euro für Planungsarbeiten im Bahnknoten Köln. Mit dem Ausbau schaffen wir gemeinsam die Voraussetzung für eine moderne und metropolengerechte Mobilität – für Pendler und Unternehmen.

Die Ertüchtigung dieses Engpasses ist nicht nur für Köln und die Region von Bedeutung…

Aktuell ist das Schienennetz rund um den Bahnknoten ein Nadelöhr. Besonders die konkurrierende Nutzung der Gleise für Nahverkehrs-, Regional-, Fernverkehrs- und Güterzüge machen Köln zum Engpass. Wenn es hier einmal stockt und zu Verspätungen kommt, zieht sich das durch das gesamtdeutsche und internationale Schienennetz. Verspätungen sind danach nur schwer aufzuholen.

Wie bewerten Sie den bisherigen Fortschritt der Planungen?

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat im November des vergangenen Jahres elf Einzelmaßnahmen des Ausbauprojekts in den „Vordringlichen Bedarf“ des BVWP hochgestuft. Das bedeutet, dass neun der elf Maßnahmen allein durch den Bund finanziert werden und bei zwei Maßnahmen eine Mischfinanzierung durch Bund und Land erfolgt. Das Land hat daraufhin diese zwei Maßnahmen in den ÖPNV-Infrastrukturfinanzierungsplan aufgenommen – das S-Bahn-Vorhaben „Westspange“ und das „Verknüpfungsbauwerk Köln-Mülheim“. Die Aufnahme war Voraussetzung dafür, dass der NVR und die Bahn richtungsweisende Planungsvereinbarungen unterzeichnen konnten. Die Bahnknoten-Konferenz war ein weiterer Meilenstein. Dadurch gewinnt der Ausbau jetzt an Fahrt.

Der Ausbau der S 11, Teil des „Gesamtpakets Knoten Köln“, ist eines der Projekte im „Bündnis für Mobilität“, das sich frühzeitige Bürgerbeteiligung auf die Fahne geschrieben hat. Welche Erfahrungen haben das Land und die anderen Projektpartner mit der frühen Einbindung von Anwohnern, Pendlern und Interessensverbänden gemacht?

Heutzutage lässt sich kein größeres Infrastrukturprojekt mehr realisieren, ohne dass die Bevölkerung dahintersteht. Mit dem „Bündnis für Mobilität“ wollen wir die Menschen vor Ort noch früher in Planungsprozesse einbeziehen. Dadurch erhalten wir oft kluge Hinweise, mindern Klagerisiken und stellen eine zeitnahe Umsetzung des Ausbauprojekts am Bahnknoten Köln sicher. Instrumente der Beteiligung sind direkte Gespräche mit Stakeholdern und betroffenen Anwohnern, Infomessen und die Kommunikation über eine digitale Dialogplattform. Wir haben so im vergangenen Jahr im Rahmen der Bürgerbeteiligung schon erste wichtige Erkenntnisse gewonnen, auf die wir jetzt reagieren wollen. Wir gehen zum Beispiel den barrierefreien Ausbau an vielen Haltestellen deutlich früher an als ursprünglich geplant, etwa an den Haltepunkten Köln-Dellbrück, Köln-Holweide und Duckterath. Die waren eigentlich nicht Bestandteil des S-11-Kernpakets, werden jetzt aber bereits mitgeplant.

Wo liegen aus Ihrer Sicht besondere Herausforderungen im Gesamtprojekt „Bahnknoten Köln“?

Die zentrale Aufgabe, vor der alle Beteiligten bei der Modernisierung des Bahnknotens stehen, ist das regelmäßige gegenseitige Informieren über alle Einzelvorhaben in diesem Knoten. Nur so kann sichergestellt werden, dass Interessenskonflikte frühzeitig erkannt und Lösungsvorschläge erarbeitet werden. Deshalb hat das Land gemeinsam mit dem Vorhabenträger, der DB Netz AG, und weiteren Partnern einen Koordinierungsrat Knoten Köln gegründet. Damit es bei der Planung vorangeht, haben wir schon im vergangenen Jahr beschlossen, die personellen Kapazitäten zu erhöhen. So haben wir etwa bei der Bezirksregierung Köln zwei zusätzliche Stellen für die SPNV-Planfeststellung bereitgestellt.

Das Maßnahmenpaket umfasst insgesamt 15 Einzelmaßnahmen. Worin bestehen für Sie die Vorteile dieser Herangehensweise?

Die 15 Einzelmaßnahen im Kernbereich des Bahnknotens und an den Zulaufstrecken verfügen jeweils über einen eigenen Verkehrswert und können separat umgesetzt werden. Wie alle Infrastrukturmaßnahmen hängt der Erfolg des Projektes von der Wirtschaftlichkeit, einer gesicherten Finanzierung und einem professionellen Projektmanagement ab. Schon allein wegen der innerstädtischen Lage des Hauptbahnhofs und der Zulaufstrecken ließen sich die notwendigen Maßnahmen nicht in einer einzigen großen Maßnahme umsetzen. Eine solch gigantische Baumaßnahme könnte den gesamten Bahnkonten Köln zum Stillstand bringen. Mehrere Einzelvorhaben haben den Vorteil, dass alle individuell betrachtet und fördertechnisch abgewickelt werden können. Das bietet Abstimmungsvorteile, wenn zum Beispiel mehrere Städte beteiligt sind. So können bei Problemen bei der Planfeststellung eines Projekts die anderen Maßnahmen davon unabhängig fortgeführt werden.

Die einzelnen Maßnahmen im Bahnknoten Köln auf einen Blick: