Bahnknoten-Konferenz: Land und Nahverkehr Rheinland geben rund 100 Millionen Euro für weitere Planung frei.

Es war ein guter Tag für den Bahnverkehr und die Fahrgäste im Großraum Köln. Darüber waren sich bei der dritten Kölner Bahnknoten-Konferenz am 11. Februar alle Beteiligten einig. Denn es wurde nicht nur über den Status und die Bedeutung des Ausbauprojekts geredet – es wurde auch gehandelt: Das Land Nordrhein-Westfalen, der Nahverkehr Rheinland und die Deutsche Bahn unterzeichneten zwei Planungsvereinbarungen. Rund 100 Millionen stehen jetzt zur Verfügung, um sowohl die Planung der S 11 und der S-Bahn-Stammstrecke in Köln weiter voranzutreiben, als auch den Ausbau der Kölner Westspange und der Eifelbahn auf den Weg zu bringen.

Entsprechend groß war der Applaus der rund 450 Konferenzteilnehmer aus kommunalen Gebietskörperschaften, aus Politik, Verwaltung, Gesellschaft und Wirtschaft, als die Planungsvereinbarungen unterzeichnet wurden. Verschiedene Redner hoben die große Unterstützung und Einmütigkeit in der Region für das Ausbauprojekt hervor. „Das ist ein Erfolg der gesamten Region. Das Projekt Bahnknoten Köln wurde stets fraktionsübergreifend unterstützt und von den Kreisen, Städten und Gemeinden des Rheinlands sowie dem NVR mit großem Engagement verfolgt“, so NVR-Verbandsvorsteher Stephan Santelmann.

Flaschenhals Kölner Westspange wird ausgebaut

Während beim Ausbau der S 11 dieses Jahr bereits die dritte von vier Planungsstufen beginnt, steht der Ausbau der Westspange noch am Anfang des Planungsprozesses. Umso wichtiger war die jetzt erfolgte Einigung von Bund und Land auf die Finanzierung der folgenden Planungsschritte, dessen größten Teil zunächst das Land Nordrhein-Westfalen stemmt. Besonders der Westspange kommt große Bedeutung für die weitere Entwicklung des S-Bahn-Netzes in Köln zu: Geplant sind der Neubau von zwei S-Bahngleisen zwischen Köln Hansaring und Hürth-Kalscheuren sowie ein zweiter Bahnsteig am Bahnhof Hansaring. Dies bietet nicht nur die Möglichkeit, das S-Bahnnetz und die Kölner Verkehrs-Betriebe (KVB) besser zu verknüpfen und die Anbindung an die Eifelstrecke zu verbessern. Der Ausbau der Westspange bildet auch den Grundstock für eine mögliche spätere Führung von S-Bahnen über die Südbrücke, die Installation einer linksrheinischen S-Bahn-Verbindung zwischen Köln und Bonn sowie für den S-Bahn-Ausbau auf der Oberbergischen Bahn.

Planungs- und Bauzeit verkürzen

Bis die Planungen bei diesen Bauprojekten abgeschlossen sind, werden noch Jahre vergehen. Ein wichtiger Diskussionspunkt waren vor diesem Hintergrund Möglichkeiten zur Beschleunigung von Planung und Bau. Durch immer komplexere gesetzliche Vorgaben dauert es bei größeren Schieneninfrastrukturprojekten aktuell an die 20 Jahre von den ersten Planungsschritten bis zur Baufertigstellung. Guido Beermann, Staatssekretär im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, machte den Konferenzteilnehmern aber Hoffnung, dass die ersten Teilprojekte beim Ausbau des Bahnknoten Köln weniger Zeit benötigen. Zum einen habe der Bundestag erst vergangenes Jahr das Planungsbeschleunigungsgesetzt verabschiedet, das die Planungsdauer senken werde. Zum anderen werde die zunehmende Digitalisierung auch das Planen und Bauen erheblich effizienter machen. Die Gesamtkosten für die Maßnahmen an der S 11 und der Stammstrecke betragen derzeit nach einer groben Kostenschätzung rund 370 Millionen Euro. Der Ausbau der Westspange wird auf 1,3 Milliarden Euro geschätzt. Verlässliche Kostenberechnungen liegen erst nach Abschluss der Planungen vor.

S-Bahn-Ausbau: Nicht nur Kölner Pendler profitieren, sondern ganz Europa

Der Grundgedanke beim Projekt Bahnknoten Köln ist neben dem Ausbau der Infrastruktur auch die Entflechtung von S-Bahn-, Regional- und Fern- bzw. Güterverkehr. Je weniger sich die unterschiedlichen Verkehrsarten gegenseitig behindern, desto höher wird die Gesamtkapazität des Bahnknotens und desto zuverlässiger werden alle Züge. Insofern hat der Bau zusätzlicher Gleise für die S-Bahn in Köln nicht nur positive Auswirkungen auf die Mobilität in der Region, sondern auch in Deutschland und sogar in Europa. Darauf verwies Catherine Trautmann, die EU-Koordinatorin für den transeuropäischen Verkehrskorridor Nordsee – Ostsee, an dem Köln liegt. In ihrer Rede hob sie die Bedeutung des Bahnknoten Köln hervor, der einer der größten Engpässe im europäischen Verkehrsnetz darstellt. Einen Engpass, den Catherine Trautmann am eigenen Leib erfahren konnte: Als sie mit dem Zug zur Bahnknoten-Konferenz anreiste, blieb sie in der Anfahrt auf Köln in einem Zugstau stecken.

Hier gelangen Sie direkt zu der Pressemitteilung zur Bahnknoten-Konferenz.

Henriette Reker, Oberbürgermeisterin der Stadt Köln:
„Auf dem Weg in die Zukunft Kölns stellt der Ausbau des Bahnknotens wichtige Weichen. Nur mit einer funktionierenden Infrastruktur auf der Schiene können wir unsere Standortvorteile behaupten und die Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit unserer Stadt sichern. Deshalb danke ich allen Projektpartnern sehr für ihre engagierte Arbeit.“

Stephan Santelmann, Verbandsvorsteher Zweckverband Nahverkehr Rheinland:
„Der Knoten Köln ist nicht nur für die Domstadt, sondern für die ganze Region von entscheidender Bedeutung. Jeder investierte Euro ist gut angelegt in die Zukunft der Region als Wirtschafts- und Wohnstandort.“

Guido Beermann, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium:
„Der Bahnknoten Köln ist einer der entscheidenden Verknüpfungspunkte im deutschen Schienensystem. Der Ausbau wird alle Sparten des Schienenverkehrs – Nah-, Fern- und Güterverkehr gleichermaßen – leistungsfähiger machen und damit mehrere hunderttausend Pendler täglich entlasten.“

„Die Eisenbahn in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte. Das zeigen die Passagierrekorde, die wir Jahr für Jahr im Nah- und Fernverkehr verzeichnen. Aber: Wachstum führt zu Engpässen. Deshalb müssen wir in die Kapazität investieren. Einen wichtigen Schritt haben wir heute mit der Unterzeichnung der Planungsvereinbarungen getan. Doch es muss noch weitergehen. Die Digitalisierung der Schiene – auch für den Knoten Köln – könnte der nächste Schritt werden.“

Ronald Pofalla (links), Vorstand Infrastruktur DB AG:
„Die Eisenbahn in Deutschland ist eine Erfolgsgeschichte. Das zeigen die Passagierrekorde, die wir Jahr für Jahr im Nah- und Fernverkehr verzeichnen. Aber: Wachstum führt zu Engpässen. Deshalb müssen wir in die Kapazität investieren. Einen wichtigen Schritt haben wir heute mit der Unterzeichnung der Planungsvereinbarungen getan. Doch es muss noch weitergehen. Die Digitalisierung der Schiene – auch für den Knoten Köln – könnte der nächste Schritt werden.“

Hendrik Wüst, Verkehrsminister des Landes Nordrhein-Westfalen:
„Unser Land braucht eine bedarfsgerechte und zukunftsorientierte Mobilität. Um diese zu erreichen, wollen wir im Rahmen des Bündnisses für Mobilität nicht nur die Chancen der Digitalisierung nutzen, sondern auch durch frühe Bürgerbeteiligungen Planungsprozesse beschleunigen. Wie gut das funktionieren kann, beweisen unsere Erfahrungen beim Ausbau der S 11.“

Die Planungsvereinbarungen unterzeichneten (von links nach rechts) für die Deutsche Bahn Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla, für den Nahverkehr Rheinland Geschäftsführer Dr. Norbert Reinkober, für den Zweckverband Nahverkehr Rheinland Verbandsvorsteher Stephan Santelmann und für das Land Nordrhein-Westfalen Verkehrsminister Hendrik Wüst.

Bernd Köppel (links), Leiter Großprojekte West DB Netz AG und Dr. Norbert Reinkober (rechts), Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland GmbH, gaben einen Überblick über den aktuellen Planungsstand beim Ausbau des Bahnknotens Köln. Norbert Reinkober betonte: „Der Ausbau im Bahnknoten Köln ist ein Quantensprung im S-Bahn-Angebot für die gesamte Region und ein zentraler Baustein für eine leistungsfähige, umweltfreundliche Mobilität. Um zu verhindern, dass Fahrgäste auf den Bahnsteigen zurückbleiben, müssen wir jetzt weiter Gas geben und mit vereinten Kräften den Ausbau weiter vorantreiben.“

Auf die europäische Dimension des Projekts wies Catherine Trautmann hin, die EU-Koordinatorin für den transeuropäischen Verkehrskorridor Nordsee – Ostsee, an dem Köln liegt. Auch im europäischen Maßstab ist der Bahnknoten Köln einer der größten Engpässe im Verkehrsnetz.

Über die Bedeutung des Knoten Köln für Deutschland und die Region diskutierten (von links nach rechts) Dr. Philipp Nagl, Vorstand Produktion der DB Fernverkehr AG, Michail Stahlhut, Vorsitzender des Netzbeirats der DB Netz AG, Gerald Böse, Geschäftsführer der koelnmesse GmH und Ulf Reichardt, Hauptgeschäftsführer der IHK Köln.

Heiko Sedlaczek, Geschäftsführer Nahverkehr Rheinland GmbH, beobachtet zum Schluss der Veranstaltung, dass von der Bahnknoten-Konferenz eine spürbare Aufbruchstimmung ausgehe und mit den Planungsvereinbarungen eine wichtige Etappe im Großprojekt Bahnknoten Köln erreicht worden sei.