3 Fragen, 3 Antworten mit Prof. Dr. Roman Suthold. Er leitet den Fachbereich Verkehr und Umwelt beim ADAC Nordrhein. Ferner ist er an verschiedenen Hochschulen rund um das Thema Mobilität aktiv. Im Juni 2019 wurde er zum Honorarprofessor an der Hochschule Fresenius berufen.

Der ADAC vertritt die Interessen von Autofahrern. Weshalb machen Sie sich für den Ausbau der S-Bahn Köln stark?

Der ADAC vertritt die Interessen seiner Mitglieder, die zu Fuß gehen, mit dem Fahrrad und dem öffentlichen Nahverkehr, aber auch mit dem Auto fahren. Wir verstehen uns als Mobilitätsclub mit historischen Wurzeln in der Motorrad- und Automobilität.

Für den S-Bahn Ausbau macht sich der ADAC deshalb stark, weil wir den ÖPNV als tragendes Rückgrat der Mobilität in Ballungsräumen ansehen. Gerade am Knotenpunkt Köln läuft das System – wie die Pendlerströme belegen – am Limit und muss dringend ausgebaut werden. Ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr entlastet den Verkehr auf der Straße und hilft damit auch denen, die auf das Auto angewiesen sind.

Wie können Schienenverkehr und Autoverkehr noch besser zusammenwirken, damit der Großraum Köln mobil bleibt?

Das Elend beginnt im Umland. Pendlerströme aus dem Umland müssen am Stadtrand aufgefangen werden. Die Übergänge müssen einfach und zuverlässig sein, die einzelnen Verkehrsträger besser vernetzt werden, Stichwort Multimodalität. Das heißt, wir brauchen kurze Umsteigewege und Echtzeitdaten über die Verbindungen. Konkret werden Echtzeitdaten in der Navigation und auch in den ÖPNV-Apps benötigt, was der VRS mit seiner erst vor kurzem eingegangenen Kooperation mit Google macht.

“Ein gut ausgebauter öffentlicher Nahverkehr entlastet den Verkehr auf der Straße und hilft damit auch denen, die auf das Auto angewiesen sind.”

Prof. Dr. Roman SutholdLeiter Verkehr und Umwelt ADAC Nordrhein e.V.

Abgesehen vom Ausbau der S-Bahn, welche Maßnahmen sind aus Ihrer Sicht im Großraum Köln nötig, um mehr Menschen das Bahnfahren schmackhaft zu machen?

Die Preise sind im VRS-Gebiet im bundesweiten Vergleich eher hoch. Die Preisstruktur bzw. die verschiedenen Tarife und Tarifgebiete sind für Gelegenheitsfahrer eher undurchsichtig und auf der Suche nach dem günstigsten Ticket kann man im Tarifdschungel verloren gehen. Eine Taktverdichtung in den Spitzenzeiten ist wünschenswert, da niemand wie die Sardine in der Büchse morgens zur Arbeit fahren möchte. Das widerspricht auch dem Sicherheitsgefühl, dass der ÖPNV nach der Corona-Krise dringend zurückgewinnen muss, um wieder mehr Fahrgäste anzulocken. Sonst bleiben Bus und Bahn der große Verlierer. Der Bahnfahrer muss noch mehr als Kunde mit Ansprüchen an die Beförderungsqualität verstanden werden. Beispiel: Eine funktionierende Klimaanlage kann im Sommer Wunder wirken.

In Zukunft müssen mehr flexible Angebote die Randlagen attraktiver machen und On-Demand-Mobility stärker genutzt werden. Wir brauchen eine Verknüpfung von Individual- und öffentlichem Verkehr sowie von privaten und öffentlichen Mobilitätsdienstleistern.

Hinweis: Die hier im Blog veröffentlichten Interviews geben nur die Meinung des Befragten wieder. Vom Interviewten vorgeschlagene Projekte können nur vorbehaltlich einer entsprechenden Finanzierung realisiert werden.