Lange bevor die Bauarbeiten auf der Linie S 11 beginnen, beobachtet die DB das Grundwasser im Thielenbruch. Besonders für den Schutz des sensiblen Moorgebiets ist das Grundwassermonitoring essenziell.

Die Deutsche Bahn hat in der letzten Woche das Grundwassermonitoring im Naturschutzgebiet Thielenbruch gestartet. In den kommenden Monaten und Jahren werden kontinuierlich Messungen zum Grund- und Oberflächenwasser im gesamten Gebiet vorgenommen. Ermittelt werden soll der Ist-Zustand der Gewässer und des Grundwassers vor Ort. Diese Erkenntnisse bilden die Grundlage, um die Gewässerentwicklung und -qualität zu überwachen, wenn die Gleise für die S 11 in einigen Jahren ausgebaut werden.

Geplant ist, dass die Strecke zwischen Köln-Dellbrück und Bergisch Gladbach zweigleisig wird. Rund 560 Meter führen dabei durch das Naturschutzgebiet Thielenbruch. Notwendig ist der Ausbau, um den Takt auf der stark frequentierten S 11 von 20 auf 10 Minuten zu verdichten und die Betriebsqualität der verspätungsanfälligen Linie zu verbessern.

Grundsätzlich gilt, dass in sogenannten Fauna-Flora-Habitat-Schutzgebieten wie dem Thielenbruch keine Eingriffe vorgenommen werden dürfen, die den Erhaltungszustand verschlechtern. Das gesamte Ökosystem reagiert sensibel auf Veränderungen des Wasserhaushalts und bietet Lebensraum für etliche gefährdete Pflanzen- und Tierarten wie etwa der Bauchigen Windelschnecke und die Helmazurjungfer, eine streng geschützte Libellenart. Um dem Naturschutz bestmöglich Rechnung zu tragen, wurden die einzelnen Maßnahmen im Vorhinein gemeinsam mit der Unteren Naturschutzbehörde Köln, dem NABU, dem BUND sowie dem Bündnis Heidetrasse entwickelt.

Mit Bau eines Bahndamms kann notwendiger Abstand zum Grundwasser gehalten werden

Mithilfe des Monitorings soll nun eine ganze Reihe von Fragen beantwortet werden. Zum einen brauchen die Planer gesicherte Informationen über den Grundwasserspiegel, um die Höhe der Gleise festlegen zu können. Anderthalb Meter Abstand zum Grundwasser brauchen Gleise im Normalfall, wenn sie neu verlegt werden. Ob dieser Abstand beim Neubau im Kalkflachmoor ebenerdig abzubilden ist, erscheint fraglich. Beim Bau nach Standardverfahren würde die Trasse nach unten trockengelegt. Keine gute Idee im geschützten Flachmoor. Deshalb schlugen die Planer vor, einen Damm zu errichten, um die notwendige Höhe für die neuen Gleise zu erreichen, ohne das Grundwasser abzusenken.

Aber auch ein Damm wirft ökologische Fragen auf. Das zeigten die Gespräche zwischen der DB und den Naturschutzorganisationen. So können Tiere die Gleise schlechter queren, wenn sie Höhenunterschiede überwinden müssen. Diskutiert wurden daher bereits erprobte bauliche Lösungen für verschiedene Tierarten, die nach aktuellem Planungsstand im Thielenbruch genutzt werden können. Entlang der Strecke lassen sich Durchlässe für verschiedene Tierarten einplanen. Sie ermöglichen Tieren, die Gleise zu queren und minimieren die trennende Wirkung eines zusätzlichen Gleises.

Auch der Flächenbedarf steigt leicht, wenn die Trasse durch einen Damm höher liegt. „So hoch und breit wie nötig, so niedrig und schmal wie eben möglich“, umschreibt DB-Projektingenieur Timo Buckstege den Optimierungsauftrag für diesen Streckenabschnitt. „Wenn wir den Grundwasserstand auch über den Jahresverlauf kennen, lässt sich der Parameter Flächeneingriff besser quantifizieren und gegebenenfalls optimieren“, so Buckstege weiter. Mögliche Ausgleichsmaßnahmen für den Flächenbedarf beim Ausbau der S-Bahn will die DB im weiteren Planungsverlauf gemeinsam mit Vertretern des Naturschutzes prüfen. Dafür braucht das Planerteam vor allem: Zahlen, Daten, Fakten.

Flächenbedarf: ein DIN-A4-Blatt

Die Informationslage zum Wasserhaushalt im FFH-Gebiet Thielenbruch ist insgesamt noch lückenhaft. Zwar gab es schon in der Vergangenheit verschiedene Untersuchungen der hydrogeologischen Bedingungen, allerdings nie über einen längeren Zeitraum. Ein Frühwarnsystem für Schwankungen beim Grundwasser existiert nicht.

Die DB hat deshalb das Monitoring in Abstimmung mit den Vertretern des Naturschutzes gleichzeitig als Frühwarnsystem konzipiert. Die Messstellen des Grundwassermonitorings werden so im gesamten 62 Hektar großen Areal des Thielenbruchs verteilt, dass die Komplexität des gesamten Ökosystems erfasst wird. Dafür werden zehn Messpunkte im Naturschutzgebiet selbst installiert. Die hierfür benötigte Fläche ist insgesamt etwa so groß wie ein DIN-A-4-Blatt. Hinzu kommen drei bestehende Messtellen außerhalb des Gebiets, die voraussichtlich reaktiviert werden können sowie ein Messpunkt für Oberflächenwasser. Für die Messstellen wird jeweils ein kleines Loch mit einem Durchmesser von maximal 8 Zentimetern bis zur grundwasserführenden Schicht gebohrt. Die Installation wird so durchgeführt, dass es zu keiner dauerhaften Durchtrennung der Bodenschichten kommt. In jede Messstelle wird ein Datenlogger eingebaut, über den regelmäßig die Höhe des Wasserspiegels erfasst wird. Die Daten aus der Messstelle werden in der Planungsphase automatisch per Funkmodul an den Laptop des DB-Mitarbeiters geschickt, der die Daten unmittelbar vor Ort auswerten kann.

Zum ersten Mal werden kontinuierliche Daten des Grundwassers erhoben

Die Beobachtung der Wasserstände startet weit vor dem Baubeginn. Damit werden zum ersten Mal kontinuierlich Daten zu den Gewässern vor Ort ermittelt. Käme es nach Beginn der Bauarbeiten zu auffälligen Veränderungen, wäre eine schnelle gezielte Ursachenanalyse möglich. Umgekehrt gibt es Vermutungen, dass sich die Eisenbahnstrecke sogar positiv auf den Wasserstand auswirken könnte. Das Grundwasser fließt hier von Nordost nach Südwest und der verdichtete Bahnkörper könnte dazu beitragen, das Wasser im nördlich gelegenen Kalkflachmoor zu halten.

So verteilen sich die Messstellen über das Naturschutzgebiet

So wird eine Messstelle für das Grundwassermonitoring installiert

{"autoplay":"true","autoplay_speed":"8000","speed":"1000","arrows":"true","dots":"true","rtl":"false"}