Die Nachfrage bei der S-Bahn Köln wächst. Immer mehr Menschen ziehen in den Großraum Köln und der Wunsch nach umweltschonender Mobilität gewinnt an Kraft. Das S-Bahn-Netz wird deshalb deutlich ausgebaut. Was bedeutet die Vision 2030+ des Nahverkehr Rheinland (NVR) ganz konkret für den Fahrplan der Zukunft?

Deutlich attraktivere Fahrpläne werden stufenweise mit der Umsetzung der Vision 2030+ möglich sein. Im Endausbau fahren alle Linien montags bis freitags im 20-Minuten-Takt. Die Linie S 11 zwischen Bergisch Gladbach und Köln-Worringen wird die meiste Zeit sogar alle 10 Minuten fahren. Die Zahl der S-Bahn-Linien wird von sechs auf neun steigen. Neu hinzu kommen die Linien S 15, S 16 und S 17. Aktuell sind auf diesen Linien teilweise nur Regionalbahnen unterwegs.

Künftig können in der Hauptverkehrszeit bis zu 57.000 Fahrgäste/Stunde mit der S-Bahn fahren

Mit der Verdichtung des Takts und dem Anschluss neuer Linien an das bestehende S-Bahn-Netz werden die Kapazitäten geschaffen, die das Netz mit Blick auf die steigenden Fahrgastzahlen benötigt. Und die Bevölkerung im Großraum Köln wächst kontinuierlich weiter. Bis zum Jahr 2030 wird sie von aktuell 3,6 Millionen Menschen auf voraussichtlich 3,8 Millionen steigen. Wenn die Vision 2030+ komplett realisiert ist, nimmt die maximale Kapazität des S-Bahn-Systems auf bis zu 57.000 Fahrgäste pro Stunde zu. Aktuell ist das Netz (bestehende S-Bahn- und Regionalbahn-Linien) auf maximal 29.200 Fahrgäste pro Stunde ausgelegt. Auf der Stammstrecke zwischen Hansaring, Hauptbahnhof und Messe/Deutz sind derzeit in der Hauptverkehrszeit (HVZ) bis zu zwölf S-Bahnen pro Stunde und Richtung sowie bis zu vier RB-Fahrten in der HVZ unterwegs. Die dichtest mögliche Zugfolge ist ein 3,3 Minuten-Takt. Nach Ausrüstung der Strecke mit einer leistungsfähigeren Leit- und Sicherungstechnik und zusätzlichen Bahnsteigen im Hauptbahnhof und in Messe/Deutz, werden künftig 24 Züge pro Stunde möglich sein. Das bedeutet de facto einen 2,5-Minuten-Takt.

Schneller Umstieg zwischen S-Bahn-Linien und Stadtbahn

Nach Umsetzung der Vision 2030+ steigt die Zahl der Stationen deutlich, an denen komfortabel von der S-Bahn auf die Stadtbahn (KVB) gewechselt werden kann. Allein durch die Inbetriebnahme der Westspange kommen mit den Haltstellen Köln West, Köln Aachener Straße und Köln Süd drei solcher Stationen hinzu, wo bisher keine S-Bahn hält. Dort werden im Mittel alle sieben Minuten S-Bahnen der Linien 15, 16 und 17 fahren und zentrale Stadtgebiete wie das Belgische Viertel und die Universität an das S-Bahn-Netz anbinden.

Die Region rückt näher zusammen

Der Fahrplan nach Umsetzung der Vision 2030+ wird Köln und die Region deutlich näher zusammenbringen. Ein Beispiel ist die verlängerte S 12. Die aktuelle Linie RB 38, auch Erftbahn genannt, wird vollständig an das Kölner S-Bahn-Netz angeschlossen und nach Abschluss der Ausbaumaßnahmen dreimal statt zweimal in der Stunde fahren. Alle drei Fahrten in der Stunde verkehren durchgängig bis nach Köln und in den Rhein-Sieg-Kreis. Nach dem Umbau bedient die S-Bahn zwischen Horrem und dem Stadtzentrum Köln alle Haltestellen. Damit entstehen neue umsteigefreie Verbindungen zu innenstadtnahen Stationen wie Köln-Hansaring und neue Verknüpfungen mit der Stadtbahn, zum Beispiel in Köln-Weiden West. Trotz der zusätzlich angefahrenen Stationen, verlängert sich die Fahrzeit zwischen Bedburg und Köln nicht, da durch den Ausbau der Strecke die Geschwindigkeit von bisher maximal 60 km/h auf 100 km/h erhöht wird.
Auf deutliche Verbesserungen kann sich beispielsweise auch der Rhein-Sieg-Kreis freuen. Künftig gelangt man mit der verlängerten S 13 von Bonn-Oberkassel alle 20 Minuten umsteigefrei zum Flughafen Köln/Bonn oder ins Kölner Stadtzentrum. Außerdem kommen zwischen Troisdorf und Bonn-Oberkassel zwei neue Haltepunkte in Bonn-Ramersdorf und Bonn-Vilich hinzu. Die S 13 wird die heute einmal stündlich verkehrende RB 27 ersetzen. Als überregionale Verbindung erhalten bleibt der parallel verkehrende RE 8 zwischen Koblenz, Linz, Bonn-Beuel und Köln.
Der Fahrplan der Zukunft wird nicht nur den Fahrgästen zugutekommen, die in die Kölner Innenstadt wollen. Auch die Pendler profitieren, die vom Kölner Umland zum Flughafen oder in einen anderen Ort der Region fahren. Das gilt beispielsweise für Pendler im Kreis Euskirchen, die nicht nach Köln, sondern in den Raum Bonn wollen. Die dort verkehrende S 23 wird im Endausbau Fahrgäste umsteigefrei zwischen Bad Münstereifel, Euskirchen, Bonn Hauptbahnhof und Bonn-Mehlem befördern. Zurzeit müssen die Fahrgäste umsteigen, um Ziele im Bereich der Museumsmeile oder der Ministerien und Bundesbehörden zu erreichen.

Die Vision 2030+ im Endausbau

Im Vergleich: So fahren die S-Bahn-Linien heute und in Zukunft in der Hauptverkehrszeit

Da sich die Linienwege der S-Bahnen gegenüber den heutigen Regionalbahnen bzw. Regionalexpressen teilweise verändern werden, können nur bestimmte Abschnitte miteinander verglichen werden: